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the empyrean
Es braucht nur eine einzige verzweifelte Generation, um die Geschichte zu verändern.
— Rebecca Yarros, Flammengeküsst

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Reiter
39 Jahre alt
Für diesen Charakter gibt es noch keine Kurzbeschreibung :(
Gespielt von Jule
Dabei seit: 01.01.2026, 12:19
Zuletzt gesehen: 31.07.2026, 12:59

Infanterie
20 Jahre alt
Dein Blick ist leer, dein Kopf ist es auch. Das Papier in deiner Hand ist schon ganz knittrig, so oft hast du deine Finger bereits darum geschlossen und es doch wieder glatt gestrichen, einem weiteren Hoffnungsfunken folgend, dass du dich einfach nur verlesen hättest - aber du hast es nicht. Die Nachricht ist eindeutig - durchgefallen -, deine Zukunft hingegen nicht mehr. Soweit du dich zurückerinnern kannst, hast du immer davon geträumt, am Basgiath War College eine Ausbildung zum Heilkundigen zu absolvieren, um anderen zu helfen und mit dem Brief in deiner Hand siehst du deine Träume nun den Bach runtergehen. Und alles, was du im ersten Moment tun kannst, ist, ihnen hinterher zu blicken, bevor du dir im zweiten Moment Gedanken darüber machst, wie deine Zukunft nun aussehen soll. Oder kann. Du könntest es im nächsten Jahr noch einmal probieren, könntest, genau wie dein Bruder, nun lediglich die einjährige Grundausbildung in der Infanterie machen - aber es erscheint dir nicht richtig. Fühlt sich schon in deinen Gedanken falsch an, denn so sehr du immer zu deinem Bruder aufgesehen hast, so wenig wolltest du auch auf Dauer in die Fußstapfen treten, die er hinterlassen hat.

Der Schritt in den Quadrant der Infanterie, zu einer dreijährigen Ausbildung anstelle der einjährigen Ausbildung, fühlt sich keinen einzigen Moment lang besser für dich an - doch es gibt diese kleine, leise Stimme in deinem Innern, die dir zuflüstert, dass es genau das eben doch ist. Eine richtige Ausbildung für den ersten Schritt einer richtigen Karriere: solltest du dich in den nächsten drei Jahren nicht doch noch einmal für einen zweiten Versuch entscheiden, könnte dieser Weg dir schließlich bessere Chancen ermöglichen, um Dinge zu ändern. Deinen Eltern, armen Arbeitern aus Calldyr Stadts weniger nobleren Vierteln, ein besseres Leben ermöglichen und gleichzeitig vielleicht sogar die Umsetzung der Gesetze optimieren. Sind sehr hoch gesteckte Ziele, das ist dir bewusst - doch wenn schon, dann richtig.

Wenn schon dieser Weg, dann um auch hier anderen dabei zu helfen, am Leben zu bleiben.

Deine Schwester und du, ihr seid gemeinsam nach Basgiath aufgebrochen, nur um dort eure eigenen Wege zu gehen. Ihr seid keines dieser Zwillingspaare, die unzertrennlich sind, seht euch eher als Geschwister, die sich rein zufällig einen Geburtstag teilen, während die Person, die dir viele Jahre lang wie eine enger stehende Schwester war, in deinem neuen Leben bereits auf dich wartet - während sich die Wiedersehensfreude auf deiner Seite doch eher in Grenzen hält. Nach dem Tod deines Bruders hast du den Kontakt zu ihr abgebrochen, ihre Briefe unbeantwortet in irgendwelche Schubfächer gestopft und, als es darauf ankam, nicht bedacht, dass deine Wahl für den Quadrant der Infanterie dich auch zu ihr führen würde. Eigentlich möchtest du nur deine Ausbildung durchziehen, hast schließlich in den letzten Monaten noch so gut dafür trainiert, wie es nur ging (findest selbst, dass es nie gut genug war), aber dir war bereits vor eurem ersten Aufeinandertreffen klar, dass das nicht so einfach werden könnte. Kannst ihr schließlich nicht immer aus dem Weg gehen, nicht einfach für immer die kalte Schulter zeigen, ohne ihr die Gründe zu nennen - ohne ihr zu sagen, wie sehr du ihren Vater dafür hasst, dass er dir deinen Bruder genommen hat.
Gespielt von Jea
Dabei seit: 09.11.2025, 12:56
Zuletzt gesehen: 01.05.2026, 18:01

Reiterin
20 Jahre alt
i. Sie steht vor dir, schenkt dir ein Lächeln und wartet. Darauf, dass du zu ihr kommst, dich in ihre ausgebreiteten Arme wirfst und die Freude über das Wiedersehen mit ihr teilst. Doch du stehst nur da, starrst sie aus deinen großen, blauen Augen an und traust dich nicht, auch nur einen Schritt zu machen. Du weißt ganz genau, wer sie ist. Kennst sie von Fotos und auch aus Erzählen und du weißt, wo sie in den letzten Jahren war. Deine Mutter kehrt nach ihrer Ausbildung zur Heilerin aus dem Basgiath War College zurück, da bist du fünf Jahre alt und kannst dich gar nicht wirklich an sie erinnern. Sie war jung, als sie dich bekommen hat, genau wie dein Vater, und als ihre militärischen Ausbildungen angefangen haben, bist du bei deinen Verwandten geblieben; bei deiner Tante und deinem Onkel, die ebenfalls Kinder hatten. Wusstest immer, dass sie nicht deine richtigen Eltern, deine richtigen Geschwister waren, aber für dich hat es sich in den vergangenen drei Jahren so angefühlt - und der Gedanke, nun zu dieser Frau zu gehen, der du dein Leben überhaupt erst zu verdanken hast, macht dir Angst. Ein Glück, dass ihr sowieso alle in einem Haus wohnt. Dass du sie kennenlernen und trotzdem bei 'deiner' Familie bleiben kannst.

ii. Du drehst dich. Weichst aus. Merkst, wie deine Mundwinkel sich bereits zu einem zufriedenen Lächeln nach oben ziehen, die Vorstufe eines Grinsens - doch dann ist's ein leiser Schrei, der sich seinen Weg aus deinem Mund bahnt. Schmerz. Brennen. Ziehen. Du presst deine Kiefer zusammen und atmest mit einem Zischen ein, weiß genau, was passiert ist. Du warst zu optimistisch, zu sehr von dir selbst überzeugt, von deiner Geschwindigkeit und deinem Können und musst genau dafür nun nicht zum ersten Mal büßen. Du bist dreizehn Jahre alt und der Schmerz ist kein Unbekannter mehr für dich; trainierst nicht erst seit gestern oder seit einem Monat. Du bist jung und trotzdem weißt du bereits genau, was du möchtest, wofür du das hier machst: für eine Zukunft als Drachenreiterin. Obwohl du weißt, dass auch dein Vater diesen Weg gehen wollte. Obwohl du weißt, dass der Quadrant des Reitens ihn das Leben gekostet hat. Du hast ihn nie wirklich kennengelernt, hast keine Beziehung zu diesem Mann, nichts weiter als einen Namen - und die Rolle des Vorbilds, das eigentlich er hätte sein sollen, wurde von anderen Menschen ausgefüllt. Von jenen, die ihre Ausbildung wirklich geschafft haben. Von Menschen, die dein Leben lang für dich da waren, die dich geprägt und zu der gemacht haben, die nun bist. Und so schwer es dir auch fallen sollte, dies zuzugeben, so einfach kommt dir doch auch dieser Gedanke in den Sinn: deine Mutter ist es nicht. Sie darf deine Verletzungen verarzten und ist auch keine Fremde mehr für dich, doch schaffst du es auch nach all den Jahren nicht, eine engere Bindung zu ihr aufzubauen.

iii. Dein Lachen ist laut. Hell. Herzlich. In deinen Augen bilden sich vereinzelte Tränen, die sich ihren Weg über dein Gesicht suchen, ihn finden - aber sie stören dich nicht. Sie gehören zu diesem Moment dazu, sind ein Zeichen für die gute Zeit, die du gerade hast. Für den Spaß, den du dir auch trotz all des Ernstes in deinem Leben nicht nehmen lassen willst. Drei Jahre noch, bis du dich mit vielen anderen vor dem Viadukt einreihen wirst, vor dem ersten Hindernis auf dem Weg in deine Zukunft. Dein Plan hat sich in den letzten Jahren nicht geändert und den Großteil deines Tages verbringst du mit der entsprechenden theoretischen und vor allem auch praktischen Ausbildung, doch gibt's auch Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen ist heute, wo das gesamte Königreich den Geburtstag des Königs feiert. Es sind Momente wie diese, in denen du mehr als nur die angehende Soldatin bist, weil du dir erlaubst, einfach nur das siebzehnjährige Mädchen zu sein, das du nunmal bist. Du guckst dir die Parade an, würdest am liebsten jede einzelne der angebotenen Leckereien probieren, versuchst dich an einem Drachen aus Holz, so unbändig, dass er mit schnellen Bewegungen jeden von seinem Rücken schmeißt und guckst dir eine Vorführung auf dem Marktplatz an, eine Komödie, die dich Tränen lachen lässt. Es sind solche Momente, die dich zumindest kurz darüber nachdenken lassen, wie es wäre, ein normales Leben zu führen. Keine harte Ausbildung, kein Drache, der auf dich wartet oder nicht wartet - doch es dauert nie lang, bis dir wieder klar wird, was du wirklich willst.

iv. Die Hälfte hast du geschafft. Die andere Hälfte liegt noch vor dir. Du weißt, dass es dumm wäre, nun stehen zu bleiben und dich umzusehen, aber du tust es trotzdem. Erlaubst dir einen kurzen Moment, nicht etwa, um das Gleichgewicht zu behalten oder einmal Luft zu holen, sondern um diesen Moment in dich aufzunehmen: du bist tatsächlich hier, auf dem Viadukt. Auf dem Weg in den Quadrant des Reitens. Hinter dir liegen Jahre der Vorbereitung, der Anstrengungen. Jahre, in denen du immer wieder versucht hast, deinen Platz zu finden zwischen der Familie, die dich großgezogen hat und im vergangenen Jahr ganz andere Herausforderungen zu bewältigen hatte, und jener Frau, der du überhaupt erst dein Leben zu verdanken hast - sie liegen jetzt hinter dir. Du wirfst einen Blick über deine Schulter, als wäre es tatsächlich die Vergangenheit, die du dort erwartest, doch ist's nur ein weiterer Anwärter, der nun den Viadukt betritt. Direkt nach dir, mit finsterem Blick und schnellen Schritten, als würde er dich verfolgen. Und wahrscheinlich tut er's auch, der Anwärter genauso wie deine Vergangenheit. Du richtest deinen Blick wieder nach vorn, auf das Ziel und auf das Tor in deine Zukunft, bereit diesen kurzen Moment dazwischen zu verlassen. Bereit für das Leben als angehende Drachenreiterin.
Gespielt von Jea
Dabei seit: 14.09.2025, 19:19
Zuletzt gesehen: 01.05.2026, 18:02

Fliegerin
28 Jahre alt
Aufgewachsen zwischen all dem Prunk der königlichen Familie von Poromiel - und doch kein Teil davon. Als Findelkind, das wenige Tage nach der Geburt vor den Palastmauern anonym niedergelegt wurde, in der Hoffnung auf ein besseres Leben als es ihre leibliche Mutter geben konnte, begann Jezelles Geschichte genau dort, wo sie sich heute noch zugehörig sieht - irgendwo im zwischendrin. Von einem engen Vertrauten des Königs und dessen Ehemann aufgenommen, wuchs sie nicht nur an der Seite der Königskinder auf, sondern auch mit all den Angestellten des Palastes als ihre große Bonusfamilie, die das junge Leben mit offenen Armen empfingen. Schnell wusste sie, bei wem sie sich einschleimen konnte und von wem sie sich besser fernhalten sollte oder wie sie unentdeckt in den unzähligen Gängen des Palastes verschwinden konnte, wann immer sie nicht auffindbar sein wollte - oder durfte. So lernte sie schließlich über die Jahre auch, dass es nicht immer einfach war, die beste Freundin des Thronfolgers zu sein, mit dem sie noch heute ein enges Verhältnis pflegt, das vor allem aus gegenseitigen Neckereien und dem freundschaftlichen Wettkampf in so ziemlich allem besteht. Nach insgesamt 28 Jahren, die sie bisher gemeinsam Seite an Seite verbracht haben, ist das jedoch auch kein Wunder.
Genauso wenig wie ihre Entscheidung, sowohl ihrem Adoptivvater als auch ihrem besten Freund bei der Wahl ihrer militärischen Laufband nachzufolgen und ebenfalls Greifenfliegerin zu werden. Inzwischen ist Jinx als erste Offizierin auch beruflich die rechte Hand des ältesten Königssohnes und - unter seiner Führung - mit ihm Teil des 1. Schwadrons der Sonnenschwinge des Nachtflügelschwarms. Eine Ehre für sie, die diese Position nicht nur aufgrund ihrer Beziehungen bekommen hat, sondern auch aufgrund ihres militärischen Könnens, das sie ihrem Vater zu verdanken hat. Zusammen mit ihrer Dämmerfeder Inêa kämpft sie für ein sicheres Poromiel an der Grenze zu den Ödlanden gegen Wyvern und Veneni, stets ihren eigenen möglichen Tod vor Augen, ohne sich davon abschrecken zu lassen. Lieber würde sie sterben, als zu sehen, wie ihrem Heimatland und ihrer Familie etwas zustößt.
Gespielt von Ree
Dabei seit: 09.09.2025, 00:20
Zuletzt gesehen: 11.04.2026, 16:00

Reiter
22 Jahre alt
Calldyr Stadt.
Du hast als Kind so oft davon geträumt, die Hauptstadt des Landes, in dem du aufgewachsen bist, einmal zu besuchen. Hast dir prunkvolle Paläste, bunte Paraden, laute Märkte mit breitem, reichen Angebot vorgestellt - Menschen, die in hübschen Gewändern gekleidet sind, ausgelassene Stimmung. Lebhaft ist die Erinnerung daran, am Rockzipfel deiner Mutter zu hängen; zu ihr aufzusehen, sie anzuflehen, die Stadt, von der du so oft schon gelesen und gehört hast, einmal zu besuchen. Tatsächlich: Würdest acht Jahre später mit deinen Eltern gemeinsam dort sein, doch nichts würd sein, wie du’s dir vorgestellt hast.

Die Hitze von Drachenfeuer legt sich qualvoll auf deine Haut. Schließt nicht die Augen, hast sie starr auf den Anblick vor dir gerichtet - horchst den Schreien der tyrrischen Rebellen, unter denen sich auch deine Eltern befinden. Du weinst nicht, hast deine Tränen aufgebraucht. Nichts ist so, wie es scheint - und wird jemals wieder so werden, wie’s dir gefallen könnte. Prunkvoll zieren die Banner des Königshauses; der Herzogtümer Navarres den Aussichtspunkt am Rande der Stadt, an dem hunderte Menschen an diesem Tag ihren letzten Atemzug inmitten von Flammen tätigen - tosendes Geschrei; Jubel; Hände, die in die Lüfte fliegen, Applaus - und du, du tust nichts, fühlst dich leer, und während sich der 01. Juli 628 anfühlt wie das Ende, ist’s eigentlich nur der Anfang.

Calldyr Stadt.
Dein neues Zuhause. Die ersten Wochen in deiner Pflegefamilie ziehst du’s vor, zu schweigen. Beobachtest - und würdigst ihnen keines Blicks zugleich. Hörst jedes Wort und schenkst ihnen ja doch keine Beachtung. Fühlst dich hier fremd, ungewollt - diese Familie ist so anders als deine. Drachenreiter:innen - verabscheust sie, wie’s sich für einen Sohn der Infanterie gehört. Schwörst du dir nach dem Tod deiner Eltern eines, dann, ihnen und das, für das sie standen, treu zu bleiben. Und die Tage? Sie ziehen ins Land, wiederholen sich. Nichts könnte dich heute weniger interessieren als prunkvolle Paläste, bunte Paraden und laute Märkte. Scheißt auf hübsche Gewänder und ausgelassene Stimmung? Weißt nicht, wie sie sich anfühlt; weißt plötzlich so vieles nicht mehr - deine Welt, sie verschwimmt vor deinen Augen, Realität und Vorstellung - sie vermengen sich.

Gedächtnis, das
Substantiv, Neutrum
Fähigkeit, Sinneswahrnehmungen oder psychische Vorgänge (im Gehirn) zu speichern, sodass sie bei geeigneter Gelegenheit ins Bewusstsein treten können; Vermögen, Bewusstseinsinhalte aufzubewahren, zu behalten, zu speichern und sich ins Bewusstsein zurückzurufen, wieder zu beleben; Erinnerung[svermögen]

Manipulation, die
Substantiv, feminin
undurchschaubares, geschicktes Vorgehen, mit dem sich jemand einen Vorteil verschafft, etwas Begehrtes gewinnt

Basgiath War College.
Der Gang über den Viadukt war für dich ein Leichtes. Gehörst mit zu den ersten deiner Art, die den Reiter:innenquadranten betreten. Doch du bist anders; gedenkst nicht, dich gegen die missbilligenden Blicke der Anderen mit den übrigen Gezeichneten zu verbünden. Du bist nicht wie sie, siehst die Wahrheit, deine Schuld, die auch ihre ist - verspürst Hass, doch nicht gegen diejenigen, die die Rebellion zerschlugen, sondern gegen die, die sie anzettelten. [ Ist leichter, sie zu hassen, als das System, in dem du gefangen bist. ] Dein Leben geht weiter - doch hinterfragst mit jedem Schritt, den du tust; weißt nicht mehr, was deine Identität ist; wer du bist - und da ist so viel Wut, Angst, Unsicherheit, die dich antreibt, dass du zu ertrinken drohst. Wirst täglich mit einer anderen Version deiner selbst wach, suchst verzweifelt nach ner Boje, die dich über Wasser hält, doch fürchtest hinter jeder Zuflucht eher den Anker, der dich weiter runterzieht. Und so schwimmst du einfach, ohne Ziel, kein Vor, kein Zurück, lässt dich treiben, weil du nicht so recht weißt, wohin eigentlich - und was am Ziel auf dich wartet.
Gespielt von Jule
Dabei seit: 06.09.2025, 18:29
Zuletzt gesehen: 02.08.2026, 07:51

Reiter
22 Jahre alt
Was “Zuhause” ist, was Heimat bedeutet - hast längst aufgehört, dich das zu fragen. Der Standort deiner Familie hat sich so häufig geändert, dass du irgendwann aufgehört hast, zu zählen. Die großen Städte des Landes haben ihren besonderen Eindruck auf dich längst verloren. Wenn’s kaum jemanden gibt, der konstant in deinem Leben bleibt, vor wem sollst du dann damit angeben, dass Calldyr Stadt, Montserrat, selbst Aretia in der Vergangenheit zu den Orten gehörten, an denen deine Eltern ihr metaphorisches Zelt aufgeschlagen haben? Hast so viel von Navarre gesehen, könntest ein junger Mann von Kultur sein, so viel deines Heimatlandes in dir vereinen - und doch fühlt sich all’ das bedeutungslos an, wenn’s keinen Ort innerhalb navarrianischer Grenzen gibt, an dem du jemals deine Wurzeln schlagen, deinen Anker auswerfen konntest.

Seit du denken kannst, verläuft dein Leben schnell und unbeständig. Heute hier, morgen dort - so viele Menschen, denen du schon die Hände geschüttelt hast, so viele Namen, die du schneller wieder vergessen hast, als dass sie dir genannt wurden. ”Junge, lass’ dir niemals in die Karten schauen.” - der laut ihm wichtigste Hinweis, den dein Vater dir fürs Leben jemals würde geben können - er erklärt die Undurchschaubarkeit deiner Familie, die ständigen Standortwechsel, vielleicht auch ihren Reichtum. Fehlte nie an Essen auf dem Tisch, nicht an warmer Kleidung, erst recht nicht an Statussymbolen - nur an Liebe, Wärme, Zufriedenheit - Zuhause.

Dein Vater? Politischer Berater, irgendwann einmal in den Reihen des Königs tätig gewesen, bevor er wie viele Andere seinen Stand verlor. ”Wahnsinniger, alter Sack”, pflegt er zu sagen - zumindest habe ihm seine einstige Position ermöglicht, in den Adelshäusern Navarres gewisses Ansehen zu genießen, die Roosevelts - gern gesehen Gäste an langen, gut gefüllten Tafeln. Deine Mutter? Privatlehrerin, hast nie - abgesehen von jetzt, vom Basgiath War College - eine Bildungseinrichtung von innen gesehen. Was für ein Privileg! - oder? Hätt’ dir vielleicht dabei geholfen, Freunde zu finden, aber gibt Größeres als das - Verbündete. Dafür braucht’s keine Freundschaft.

Dein Verstand ist so scharf wie der Ausdruck auf deinem Gesicht unlesbar. Du bist… schwierig, aber zeigst es nicht immer. Die Maske des charismatischen, humorvollen Typen trägst du wie ne zweite Haut - willst du, dass man dich liebt, musst du etwas dafür tun. Herzliche Strenge, hat’s dein Vater genannt, während er mit ‘nem Stück Wildschweinhaxe im Maul die Spitzen seiner Gabel auf dich richtete und dir überm Esstisch eine weitere Lektion des Lebens erteilte. Kommst nicht weiter mit Freundlichkeit. Erinnerst dich gut, wie er im Anschluss eine Hand an sein Gesicht führte, den Zeigefinger dreimal an seine Schläfe tippte. Beobachte. Jeden. Immer. Und das hast du getan. Viel anderes zu tun hattest du ohnehin nie. Mit wem denn? Und wofür?
Gespielt von Jule
Dabei seit: 20.08.2025, 08:36
Zuletzt gesehen: 02.07.2026, 20:44

Reiterin
43 Jahre alt
Lirien Soleil war nie dafür bestimmt etwas anderes zu werden, als eine Waffe. Ihr Leben begann nicht wie das anderer Menschen mit einem freien Willen, sondern mit Erwartungen. Als ältestes Kind der größten Militärfamilie des Kontinents wurde sie nicht gefragt, was ihre Wünsche für ihr Leben waren, ihr Training begann, kaum, dass sie aufrecht stehen konnte. Disziplin, Erfolg, Perfektion – für Lirien waren das keine Werte, sondern die Grundpfeiler ihrer Existenz. Sie wuchs unter dem kalten Blick eines Vaters auf, der Erfolg mit Liebe verwechselte und der eisigen Strenge einer Mutter, die Perfektion als Pflicht sah. Sie sollte führen, glänzen, tragen und sie tat es, weil es für sie schlicht keine Alternative gab.

Ihren Eltern war jedes Mittel Recht, um ihren Erfolg sicherzustellen und die eigenen Kinder an die Spitze zu führen, auch wenn die finstere Seite der Sonne natürlich niemand sonst zu Gesicht bekam. Nach außen hin waren sie der Stolz des Kontinents und nichts konnte ihren Glanz trüben. Doch im Inneren verbargen sich grauenvolle Geheimnisse. Folter und Missbrauch waren keine Ausnahmen, sondern Normalität. Als Wahrsager war es unmöglich, ihren Vater anzulügen, was Lirien ohnehin nie gewagt hätte. Schon als Kind war sie klug genug, stattdessen alles zu tun, was er von ihr verlangte und zu versuchen, seine Anforderungen an sie so gut es ging zu erfüllen.
Es gab Zeiten, da verlor Lirien das Gefühl dafür, was real war und was nicht. Der induzierte Wahnsinn durch ihre Mutter bereitete ihr lange Zeit Schwierigkeiten zu erfassen, was wirklich passierte und was sie sich nur einbildete. Einzig im Kampf, Seite an Seite mit Druàch, das Blut ihrer Gegner auf der Haut, fühlte sie sich ganz wie sie selbst. Das war es, wer sie war, ihre Essenz. Was sonst gab es da?

Tag für Tag strebte Lirien danach, immer weiter voranzukommen. Der Weg an die Spitze war ihr Ziel, nichts weniger als das, was ihr ihr Leben lang eingebläut worden war. Lange Zeit wusste sie nicht mehr, was sie sonst für einen Antrieb im Leben gehabt hatte, wenn sie es überhaupt jemals gewusst hatte. Es gab nur noch die Ziele ihrer Familie in ihrem Universum, nicht für sie, sondern wegen ihnen. Doch hinter der unerschütterlichen Fassade steckte mehr als nur Drill. Lirien kannte die Menschen, besser, als sie sich oft selbst kannten. Sie las Schwächen, erkannte Absichten, ließ sich nicht täuschen. Sie dachte strategisch wie eine Generalin, sprach wie eine Anführerin und kämpfte wie eine Berserkerin. Sie führte nicht durch rohe Gewalt, sondern durch Können, Leistung, Autorität. Es fiel leicht, ihr zu folgen, schwieriger war es, ihr zu widersprechen.
Und doch, irgendwo tief unter der geschliffenen Oberfläche lagen die Risse, die sie verbarg. Nicht aus Angst, sondern aus einem stillen Bewusstsein darüber, dass sie etwas verloren hatte, das sie nie ganz benennen konnte. Vielleicht Kindheit. Vielleicht Freiheit. Vielleicht die Frage, wer sie hätte sein können, wenn nicht andere sie geformt hätten. Lirien trug ihre Narben nicht sichtbar, aber sie führten jeden Tag ihre Hand. Und obwohl sie die Kriegerin war, zu der man aufblickte, war ihre größte Stärke nicht die Klinge oder die Magie, sondern ihr eiserner Wille, der ihr Überleben sicherte.

Lange Zeit wartete sie ab. Was Lirien antrieb, war längst nicht mehr nur das Echo elterlicher Erwartungen. Unter der stillen Oberfläche loderte ein Feuer aus Wut und Entschlossenheit, genährt von Jahren der Gewalt, der Entbehrung und der Unterdrückung ihrer Selbstbestimmung. Sie würde nie vergessen, was ihre Eltern ihr genommen hatten. Ihre Kindheit, ihre Träume, ihre Wahl, alles, was sie vielleicht einmal gehabt hatte, war ihr geraubt worden, im Namen von Überlegenheit, Ansehen und dem vermeintlichen Stolz der Familie. Aber sie hatte gelernt zu warten. Lirien hatte so lange überlebt, ohne zu zerbrechen, hatte gelernt, Geduld als Waffe zu nutzen. Hinter ihrem kalkulierten Schweigen blieben ihre Ambitionen unbemerkt, nahmen ihre Wünsche Form an. Und dieses Mal würden es ihre eigenen sein.
Gespielt von Lucy
Dabei seit: 14.08.2025, 11:59
Zuletzt gesehen: 03.08.2026, 10:00

20 Jahre alt
Hier kommt Inez! könnt’ eigentlich sowas wie dein Schlachtruf werden, wer weiß, vielleicht versucht du’s einfach: trainierst allen an, dich genauso zu begrüßen, dich anzukündigen, damit jeder den Kopf in Richtung Türe dreht, wenn du den Raum betrittst. Eigentlich hast du’s gar nicht darauf abgesehen, sämtliche Aufmerksamkeit auf dich zu ziehen, passiert ganz automatisch, dass du häufig eine der lautesten Stimmen im Raum bist, dass dein Lachen an allen vier Wänden widerhallt und andere sich fragen, wer, bei den Göttern, eigentlich der aufgeweckte Blondschopf ist, der mit seiner Art die Sonne n bisschen heller scheinen lässt. Ist kein Problem für dich. Du bist laut, offen, quirlig - und siehst einen großen Vorteil daran: Wirst häufig unterschätzt, nicht ganz ernst genommen, deine Worte nicht für voll. Gibst du eigentlich viel auf das, was deine Eltern dir raten - sie haben immerhin ne Menge Lebenserfahrung, vertraust ihnen, weil sie für dich die metaphorischen Kastanien aus den Flammen holen - ignorierst du diese eine Lektion besten Gewissens: Dir ist’s egal, ob man dich auf den ersten Blick ernst nimmt, ob vom ersten Moment an Autorität versprühst, die andere erzittern lässt. Das Ergebnis ist, was zählt - und das ist im für den Anderen schlimmsten Fall so tödlich, wie du’s im Training gelernt hast.

Du bist zu lieb für das hier. Schätzt Menschen, Tiere, jedes verdammte Insekt, das deinen Weg kreuzt (außer Mücken - ernsthaft, wer mag die denn?). Hast immer, wenn du allein bist, irgendein Lied auf den Lippen, sprichst laut aus, was du denkst, und denkst eigentlich immer irgendetwas, so richtig still sein kannst du nie. Bist ein Sturm - aber kein Hurricane, der Bäume entwurzelt und Dächer abdeckt, sondern das erlösende Gewitter mit Regenschauer nach nem langen, viel zu heißen Sommertag. Gewaltig, erfrischend, gewaltig erfrischend. Du auf dem Rücken eines Drachen? Das kann sich niemand vorstellen, der dich nicht kennt, aber wer’s tut, wird sich fragen: Wenn nicht sie, wenn nicht Inez - wer eigentlich dann? Nur das Reiterschwarz - das wird dir niemals stehen; so ganz wortwörtlich gemeint. Ist nicht deine Farbe… weil’s eben keine ist. Schwarz - die Abwesenheit von Licht. Nichts könnte weniger dein Ding sein als das.

Hinter der Fassade versteckt sich eine junge Frau, die einiges versteckt - könnte man sagen, wenn’s tatsächlich etwas derartiges zu erzählen gäbe. Aber: Du bist einfach du, ungeschminkt und offen. Da ist kein Trauma unter der Maske des aufgeweckten Sonnenscheins, keine Zweifel unter deiner unerbittlichen Zuversicht. Reichst Menschen die Hand, weil du an sie glaubst, nicht aus Berechnung, und obwohl du stets mit Vorsicht agierst, glaubst du immer an das Gute. Nimmst das Leben auf die leichte Schulter, weil du nur eines hast, und glaubst daran, dass die Dinge sich fügen werden - wie könnten sie nicht, bei einer Vielzahl von Göttern an deiner Seite? Dennoch, Optimistin bist du nicht, eher Realistin - musst du ja auch, bist es der guten Bildung und all’ der Anstrengung, die du in Hausarbeiten und Klausuren gesteckt hast, irgendwie schuldig; bist ein bisschen zu smart, um naiv zu sein. Schlussendlich hilft ja eh nur eines: Alles nehmen, wie’s kommt, die Dinge einfach denken, egal, wie kompliziert sie sind. Ansteckend, Leuchtfeuer, Waldbrand sein. Liebst es, Menschen mitzureißen. Gut, dass du’s kannst.
Gespielt von Jule
Dabei seit: 11.08.2025, 19:18
Zuletzt gesehen: 04.08.2026, 18:16

Flieger
28 Jahre alt
 Seine Königliche Hoheit Kronprinz Azulon von Poromiel. Titel, Ankündigung, Verantwortung – und kein natürliches Anrecht, kein falsches Versprechen, kein egoistischer Reichtum. Nur eine Würde, manchmal auch Bürde, die es sich jeden Tag aufs Neue zu verdienen gilt, die er an machen Tagen altbekannt zu schultern hat. Vor dem Volk, vor den Göttern, vor sich selbst. Sind nicht die Worte eines Monarchen oder sein Name, die zählen, sondern seine Taten. Taten an vorderster Front, welche vielmehr die alltäglichen Kämpfe eines Fliegers sind denn der große Auftritt jenes Kriegshelden, der den Tag rettet, der sein Vater war. Der letzte König von Poromiel, zumindest in den Augen seines inneren Kindes – und in erster Linie jenen des gesamten Königreichs. Taten an äußerster Grenze, gefühlt so fernab des Volkes, die Nähe zu ihm wäre die eine Sache, von der er unter navarrianischer Folter noch am ehesten zugeben würde, wie sehr sein jüngerer Bruder Vesryn sie ihm voraus hat, wie ihr Vater einst vor ihm. In Wahrheit sind all diese Taten nur so lange nützlich, wie er sie in großen, kämpferischen Reden vom Altan des Palastes aus als jene Geschichten zu erzählen vermag, welche die Hoffnung im Volk, dieses selbst und ihr geliebtes, geeintes Land am Leben halten.
 Viel gibt Azulon nicht auf diesen Titel, zu jeder erdenklichen Zeit damit angesprochen zu werden, hält keine größeren Stücke auf Adel und Politik, als er auf sie und ihre Unterstützung angewiesen ist, als sie die sind, vor denen jener Titel eine Demonstration seiner Macht ist. Kadett, Leutnant, Captain sind die wahrlich verdienten, zugleich alternativlosen Ränge für jemanden, der seinen Titel besitzt – und es innerlich trotzdem jedes Mal ein bisschen zu sehr genießt, ihn aus den Mündern derer zu hören, die ihm unwohlgesonnen, gar missgünstig sind. Während er sich bereiter denn je fühlt, die Ehre und eine gewisse Vorfreude, die Krone aufzusetzen, das Zepter zu übernehmen, der nächste König von Poromiel zu werden. Weil es so verdammt leicht ist sich einzureden, beide Pflichten alleine erfüllen zu können, von Suniva aus mit dem Volk zu regieren und an der Front gegen seine Feinde zu kämpfen. Trotzdem weiß er zu gut, die Fähigkeit sich zu teilen, an zwei Orten gleichzeitig zu sein, übersteigt selbst die Macht eines Königs.
 Tja, und seit Azulon seine Mutter darin bestärkt hat, die Liebe zu ihrer engsten Vertrauten offiziell zu machen, ist die Königin wieder umso überzeugter davon, diese – seine – Lebensaufgabe lässt sich zu zweit immer noch am besten bewältigen. Ein Vorhaben, das nach dem Tod ihres Mannes vorerst in den Hintergrund gerückt ist, doch nicht weit genug, die Wogen eines Putsches zwischen Braevick und Krovla nicht glätten zu wollen, die Verlobung ihres Sohnes nicht längst geplant zu haben. Immer darauf wartend, die Eine, die Alternativlose, die nächste Königin von Poromiel würde endlich alt genug sein, ihre Ausbildung in Cliffsbane zu beenden. Waren schöne zwölf Monate Flucht vor der Ehe, Flucht an die Front, seit er sich selbst für den Thron bereiterklärt hat, sie seine Heirat zur ersten Bedingung gemacht hat. Eine Bedingung, der sich seine kleine Schwester Ziora ebenso ausgeliefert sieht, nur ohne die Thronfolge zum Grund. Ziora, die ihren Vater auf denselben hohen Podest stellt wie er, der sich nie als das Lieblingskind begriffen hat, weil der König sein Leben für wichtigere Dinge ließ.
 Die Albträume vom Tod seines Vaters plagen Azulon, seit er live und in Farbe – und dann nicht mehr so viel Farbe – gesehen hat, wie ein Veneni ihrem Schwadronsmitglied alle Lebenskraft ausgesaugt hat. Gibt nicht vieles, worin er seinem Vater nicht nachfolgen will, doch gehört das ohne jeden Zweifel dazu. Allein, weil Vesryn niemals dazu imstande wäre, seinen Platz einzunehmen – wennschon Ziora –, wäre doch jeder eigene Nachfolger, den er haben könnte, zu jung, um zu werden, was er mit bald dreißig Jahren noch nicht ist. Niemand ist sich im Klaren darüber wie er, so begrenzt seine Lebenszeit auch sein mag, hat sich die Situation weit genug zugespitzt, es könnte bald gar kein Königreich mehr geben, das es noch wiederaufzubauen gelte. Nichts läge ihm näher, als sein Land zu befreien, es vielleicht sogar durch die Ödlande zu vergrößern – sollten sie sich jemals von der Misshandlung durch ihre machthungrigen Meister erholen –, dadurch den Krieg mit Navarre zu beenden und ihre friedliche Co-Existenz zu sichern. Vergessen aber wird Poromiel niemals, so erhaben es über alle Zweifel auch sein mag, wer sie einst im Stich gelassen hat.
Gespielt von Berry
Dabei seit: 30.07.2025, 16:45
Zuletzt gesehen: 26.06.2026, 15:42


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based on "the empyrean"-series by Rebecca Yarros