20 Jahre alt
Hier kommt Inez! könnt’ eigentlich sowas wie dein Schlachtruf werden, wer weiß, vielleicht versucht du’s einfach: trainierst allen an, dich genauso zu begrüßen, dich anzukündigen, damit jeder den Kopf in Richtung Türe dreht, wenn du den Raum betrittst. Eigentlich hast du’s gar nicht darauf abgesehen, sämtliche Aufmerksamkeit auf dich zu ziehen, passiert ganz automatisch, dass du häufig eine der lautesten Stimmen im Raum bist, dass dein Lachen an allen vier Wänden widerhallt und andere sich fragen, wer, bei den Göttern, eigentlich der aufgeweckte Blondschopf ist, der mit seiner Art die Sonne n bisschen heller scheinen lässt. Ist kein Problem für dich. Du bist laut, offen, quirlig - und siehst einen großen Vorteil daran: Wirst häufig unterschätzt, nicht ganz ernst genommen, deine Worte nicht für voll. Gibst du eigentlich viel auf das, was deine Eltern dir raten - sie haben immerhin ne Menge Lebenserfahrung, vertraust ihnen, weil sie für dich die metaphorischen Kastanien aus den Flammen holen - ignorierst du diese eine Lektion besten Gewissens: Dir ist’s egal, ob man dich auf den ersten Blick ernst nimmt, ob vom ersten Moment an Autorität versprühst, die andere erzittern lässt. Das Ergebnis ist, was zählt - und das ist im für den Anderen schlimmsten Fall so tödlich, wie du’s im Training gelernt hast.
Du bist zu lieb für das hier. Schätzt Menschen, Tiere, jedes verdammte Insekt, das deinen Weg kreuzt (außer Mücken - ernsthaft, wer mag die denn?). Hast immer, wenn du allein bist, irgendein Lied auf den Lippen, sprichst laut aus, was du denkst, und denkst eigentlich immer irgendetwas, so richtig still sein kannst du nie. Bist ein Sturm - aber kein Hurricane, der Bäume entwurzelt und Dächer abdeckt, sondern das erlösende Gewitter mit Regenschauer nach nem langen, viel zu heißen Sommertag. Gewaltig, erfrischend, gewaltig erfrischend. Du auf dem Rücken eines Drachen? Das kann sich niemand vorstellen, der dich nicht kennt, aber wer’s tut, wird sich fragen: Wenn nicht sie, wenn nicht Inez - wer eigentlich dann? Nur das Reiterschwarz - das wird dir niemals stehen; so ganz wortwörtlich gemeint. Ist nicht deine Farbe… weil’s eben keine ist. Schwarz - die Abwesenheit von Licht. Nichts könnte weniger dein Ding sein als das.
Hinter der Fassade versteckt sich eine junge Frau, die einiges versteckt - könnte man sagen, wenn’s tatsächlich etwas derartiges zu erzählen gäbe. Aber: Du bist einfach du, ungeschminkt und offen. Da ist kein Trauma unter der Maske des aufgeweckten Sonnenscheins, keine Zweifel unter deiner unerbittlichen Zuversicht. Reichst Menschen die Hand, weil du an sie glaubst, nicht aus Berechnung, und obwohl du stets mit Vorsicht agierst, glaubst du immer an das Gute. Nimmst das Leben auf die leichte Schulter, weil du nur eines hast, und glaubst daran, dass die Dinge sich fügen werden - wie könnten sie nicht, bei einer Vielzahl von Göttern an deiner Seite? Dennoch, Optimistin bist du nicht, eher Realistin - musst du ja auch, bist es der guten Bildung und all’ der Anstrengung, die du in Hausarbeiten und Klausuren gesteckt hast, irgendwie schuldig; bist ein bisschen zu smart, um naiv zu sein. Schlussendlich hilft ja eh nur eines: Alles nehmen, wie’s kommt, die Dinge einfach denken, egal, wie kompliziert sie sind. Ansteckend, Leuchtfeuer, Waldbrand sein. Liebst es, Menschen mitzureißen. Gut, dass du’s kannst.
Dabei seit: 11.08.2025, 19:18
Zuletzt gesehen: 04.08.2026, 18:16